Didis Finanzblog - Heute: Gute BU - Böse BU?

Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich wichtig? Und wenn ja, für wen? Für das Portemonnaie des Vermittlers oder tatsächlich für den Kunden?

Über kaum ein Thema wird in der Versicherungswelt mehr diskutiert als über die Berufsunfähigkeitsversicherung. „Viel zu teuer“ – sagen die einen, „die zahlen eh nicht“ – sagen die anderen. Wieder andere sagen: „Ich zahle nur 20,- Euro, denn 200,- Euro Rente reichen doch. Das wird ja auf die Leistung vom Staat oben drauf gerechnet“. Oh Mann! Es wird Zeit, dass mal aufgeräumt wird bei diesem Thema. Und zwar ohne Vermittlerbrille. Also, viel Spaß beim Lesen!

Zu aller erst: Ist die Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig? Und wenn ja, warum?

Leider lässt uns der Staat – wie in vielen Bereichen – so ziemlich im Regen stehen, wenn wir aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können. Denn seit 2001 gibt es die sogenannte Erwerbsminderungsrente. Was heißt das? Ihr müsst so kaputt sein (körperlich oder geistig), dass Ihr keine Tätigkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt mehr ausüben könnt. Überspitzt geschrieben ist es sogar so, dass Ihr z.B. als Handwerker bei einem Unfall beide Hände verliert und Ihr trotzdem keine Rente bekommt. Ihr könntet ja noch im Pförtnerhäuschen sitzen und einen Knopf drücken, sobald ein Auto auf den Parkplatz möchte. Glaubt Ihr nicht? Dann lasst euch von mir gerne ein Schreiben von der deutschen Rentenversicherung schicken, bei der ein Kunde solch einen Antrag gestellt hat. Dieser Mensch hat mehrere schwerwiegende Beeinträchtigungen (Achtung: Jetzt kommt es dicke):

1. Künstliche Herzklappe

2. Bypass

3. Medikamentös gut eingestellter Bluthochdruck

4. Depression

5. Herzrhytmusstörungen

6. Bandscheibenschaden

Was meint Ihr? Ist dieser Mensch noch Arbeitsfähig? In der Ablehnung der deutschen Rentenversicherung heißt es dazu (O-ton): „...Sie sind weder teilweise noch voll erwerbsgemindert. Ihr Leistungsvermögen ist zwar aufgrund der folgenden gesundheitlichen Einschränkungen“ … Jetzt kommt die oben genannte Auflistung … „herabgesetzt, jedoch sind Sie mit der Ihnen verbliebenden Leistungsfähigkeit noch in der Lage mindestens 6 Stunden täglich unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes erwerbstätig zu sein.“ BÄNG! Wie bitte? Was soll dieser Mensch denn noch arbeiten? Dazu noch mindestens 6 Stunden täglich? Ich weiß nicht, wie Ihr das seht, aber für mich ist dieser Mensch in erster Linie Krank und kann mit Sicherheit nicht mehr arbeiten.

Was zeigt euch dieses Beispiel? Auf den Staat kann man sich nicht verlassen. Die tausende Euro von Sozialversicherungsbeiträgen, die Ihr und euer Arbeitgeber zahlen, werden definitiv nicht für diesen Bereich verwendet. Ich saß mal vor Jahren mit einer jungen Kundin zusammen. Da sie grad erst 19 Jahre alt war, war die Mutter bei dem Gespräch mit anwesend. Es ging unter anderem um das Thema BU und ich schilderte der Kundin den oben genannte Fall. Am Ende des Gespräches lehnte sich die Mutter zurück und sagte: „Herr Baumbach, ich kann Ihre Ausführungen zu 100% bestätigen. Ich arbeite der deutschen Rentenversicherung, genau in dieser Abteilung. Wir sind dazu angehalten 100% der Anträge erst einmal abzulehnen. Die Erwerbsminderungsrenten werden aus derselben Kasse bezahlt, wie die Altersrenten und dass diese Kassen leer sind, dass weiß doch mittlerweile jeder!“ Das ist mal ein starkes Stück, oder? Hier werden also Menschen in die Sozialhilfe getrieben. Grundsicherung. Und Grundsicherung bedeutet um und bei 800,- Euro bis 900,- Euro im Monat, die diese Menschen erhalten. Bei den heutigen Lebenskosten könnt Ihr euch selber ausrechnen, was für ein Leben dieser Mensch heute führt. Traurig.

Ich möchte euch noch ein Beispiel geben: Man muss ja nicht immer gleich den Teufel an die Wand malen! Eine Bekannte von mir hat Friseurin gelernt und liebte Ihren Beruf. Leider hat sie nach ein paar Jahren eine Allergie gegen Ammoniak entwickelt. Das ist als Friseurin echt tragisch, da in jedem Haarfärbemittel Ammoniak enthalten ist. Die Allergie äußerte sich bei Ihr so, dass sie starken Husten und Hautausschläge, die fürchterlich juckten, bekam. Arbeiten war unter diesen Umständen also nicht mehr möglich. Reicht dies für eine Erwerbsminderungsrente vom Staat aus? Natürlich nicht, denn sie kann ja noch jeden anderen Job ausüben, der bei Ihr keine Allergie auslöst. Leider wird es in Deutschland nicht unbedingt leichter, umso älter man wird. Hier wäre also eine private Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll gewesen.

 

Gerne genommene Argumente GEGEN eine Berufsunfähigkeitsversicherung meiner Kunden. Aber haben diese eine Berechtigung?

Mir passiert doch nix!

Das Argument, mir passiert doch nichts, hinkt so ziemlich. Mittlerweile wird jeder 4 vor dem 55. Lebensjahr Berufsunfähig. Da die meisten von uns mittlerweile bis an die 67 Jahre arbeiten müssen, ist auch das eine sehr lange Zeit, in der Ihr Geld braucht. Jetzt könntet Ihr sagen, dann schließe ich einfach eine BU ab, wenn sich das Risiko erhöht. Also im Alter. Guter Gedanke, definitiv aber nicht umsetzbar. Oder habt Ihr 300,- Euro bis 400,- Euro im Monat über um dann dieses Risiko abzusichern?

Die leisten doch eh nicht!

Das ist ein Argument, auf dass ich immer wieder stoße. Schauen wir uns dazu doch mal die Fakten an. Wir können sehr genau anhand der Prozessquoten der Gesellschaften schauen, ob diese ungerne leistet oder nicht. Alle diese Statistiken sind frei im Internet verfügbar. Die besten Gesellschaften liegen bei einer Prozessquote zwischen 1,49 und 0,9 %!!! Das heißt, von 100 Anträgen auf Berufsunfähigkeit werden gerade einmal zwischen 0,9 und 1,49 Anträge geprüft/abgelehnt. Jetzt könnte man sagen: „Und was ist, wenn ich mich unter den 1,49 Anträgen befinde?“ (wir sprechen hier immerhin über tragische, menschliche Schicksale). Ich habe mir also mal angeschaut, welche Gründe zu Ablehnungen führen. Mit ca. 49% führt ganz klar die medizinische Ablehnung. D.h. der Grad der Berufsunfähigkeit von 50% wurde nicht erreicht. Bei den beiden oben beschriebenen Beispielen könnt Ihr sicher sein, dass dieser Grad locker erreicht wurde. Ca. 25% wurden abgelehnt, da falsche Aussagen im Antrag gemacht wurden. Damit komme ich zum nächsten Thema:

Füllt die Antragsfragen wahrheitsgemäß aus und haut auch dem Vermittler auf die Finger, wenn er meint, dass oder jenes wäre nicht so wichtig!

Im Leistungsfall wird immer geprüft, ob Ihr alle Angaben richtig gemacht habt zu dem Zeitpunkt der Antragsstellung. Also immer ehrlich bleiben, dann bekommt Ihr auch keine Probleme. Das fängt auch damit an, nicht zu lügen, wenn man raucht. Wie lange man aufgehört hat, kann superleicht festgestellt werden. Ärzte sind da nicht doof! Auch Krankheiten zu verschweigen bringt euch nichts. Sollte euer Antrag auf BU abgelehnt werden, dann gibt es immer noch Alternativen, wie eine Grundfähigkeitsversicherung oder Dread Disease (Absicherung gegen schwere Krankheiten). Lasst euch beraten, wir finden immer eine Lösung.

Eine BU-Rente von 200,-/300,-/400,- oder 500,- Euro reicht aus!

Da stellen sich mir die Nackenhaare aber bis zur Decke auf. Denkt mal nach! Was könnt Ihr in der heutigen Zeit mit diesen Beträgen anfangen? Richtig, 2-3 Kinobesuche und das Geld ist weg! Wozu soll also eine Absicherung in dieser Höhe dienen? Richtig nur der Stückzahl und der Provision des Vermittlers. Leider gibt es allzu viele Vermittler, die genau solche Verträge verkaufen. Aber helfen tun euch solche Renten nicht. Selbst die Grundsicherung ist höher. Wenn Ihr euch also keine vernünftige BU mit einer vernünftigen Rente leisten könnt oder wollt, dann lasst es! Geringe Renten helfen euch definitiv auch nicht weiter. Dann greift lieber auf Alternativen – wie oben genannt – zu.

Fazit:

Abschließend kann ich sagen, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung absolut wichtig ist und in einer vernünftigen Finanzplanung unumgänglich ist. Nur nicht jeder kann sich diese leisten oder bekommt diese (aufgrund gesundheitlicher Vorbelastung). Aber Ihr solltet euch auf jeden Fall beim Versicherungsberater/vermittler/makler eures Vertrauens beraten lassen.

 

Fakten! Was muss eine GUTE Berufsunfähigkeitsversicherung leisten?

Die folgende Auflistung stellt aus meiner Sicht die wichtigsten Punkte in den Bedingungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung heraus:

Eine gute BU sollte…

1. auf eine abstrakte Verweisung verzichten! Was bedeutet das denn nun wieder? Das heißt, dass die Versicherung euch nicht in einen anderen Beruf stecken darf. Wenn Ihr euren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben könnt, bekommt Ihr Leistung. Die Versicherung darf also die Arzthelferin nicht auf den Bau schicken (Überspitzt gesagt).

2. eine geringe Prozessquote haben. Viele Gesellschaften haben eine sehr geringe Prozessquote (DEVK z.B. liegt bei 0,95 %). Darauf solltet Ihr peinlichst genau achten, da Ihr hieran ablesen könnt, wie gerne der Versicherer leistet!

3. mindestens ein Triple-F (FFF) oder eine 5-Sterne Bewertung haben bei den bekannten Ratingagenturen Franke & Bornberg und/oder Morgen & Morgen. Auch hier hat die DEVK bestnoten.

4. bei der Betrachtung des Berufs darauf verzichten, auch einen vor dem Berufswechsel ausgeübten Beruf heranzuziehen. D.h. Wenn Ihr eine BU habt und während der Laufzeit den Beruf wechselt, ist auch nur die letzte Tätigkeit maßgeblich.

5. darauf verzichten, die Zumutbarkeit einer Umorganisation des Arbeitsplatzes zu prüfen (bei Angestellten). D.h. der Versicherer kann nicht hergehen und z.B. einen Umbau eures Arbeitsplatzes verlangen um sich vor der Leistung zu drücken.

6. bereits zahlen, wenn ein Arzt/eine Ärztin eine Berufsunfähigkeitsdauer von „voraussichtlich 6 Monaten“ prognostiziert. Also, der Versicherer wartet nicht erstmal ab, ob Ihr auch die 6 Monate voll bekommt!

7. bei einer Nachprüfung der Berufsunfähigkeit dieselben Kriterien wie bei der ersten Prüfung verwenden. D.h. Der Versicherer prüft nach, ob die BU noch besteht. Dafür soll er die gleichen Verfahren verwenden wie bei der Erstprüfung.

8. auf die Klausel, nach der er Heilbehandlungen und andere Anwendungen anordnen könnte, verzichten. Gute BU-Versicherer reden den Ärzten nicht rein, denn die Ärzte wissen am besten, was euch hilft und was nicht!

9. die Möglichkeit einräumen, wonach man bei bestimmten Anlässen die versicherte Rente – ohne erneute Gesundheitsprüfung – erhöhen kann. D.h. solltet Ihr z.B. Heiraten, ein Kind bekommen oder ein Haus kaufen/bauen, so könnt Ihr die Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen.

10. eine Laufzeit bis zum 67. Lebensjahr genehmigen. Denn bis 60 bringt euch nicht ganz so viel!

11. eine Starterpolice für Azubis anbieten. D.h. Ihr startet mit geringeren Beiträgen, die sich nach und nach dann an euer Leben (und euer Einkommen) anpassen.

12. eine sogenannten Infektionsklausel beinhalten, d.h. dass derjenige auch einen Rentenanspruch hat, wenn wegen Infektionsgefahr mindestens 6 Monate z.B. keine Patienten behandelt werden können. Ihr wollt ja auch nicht von eurem Arzt böse angesteckt werden, oder?

 

Zweites Fazit: Ihr solltet, wenn Ihr die Möglichkeit habt, unbedingt eine BU oder alternative Produkte (wie eine Grundfähigkeit o.ä.) abschließen. Bzw. lasst euch wenigstens dazu beraten. Die Beratung kostet erstmal nichts, aber Ihr habt Gewissheit für euch. Ihr könnt auch bei den Gesellschaften (bei mir auch) eine unverbindliche Vorabanfrage stellen, d.h. wir prüfen euren Gesundheitszustand und teilen euch mit, ob Ihr überhaupt eine BU erhalten würdet. Danach könnt Ihr immer noch entscheiden, ob es für euch passt oder nicht.

Diese Liste ist selbstverständlich nicht abschließend. Ich hoffe aber, ich konnte euch einen Einblick in die Welt der Berufsunfähigkeitsversicherung geben. Solltet Ihr weitere Informationen benötigen, so sprecht mich an. Auch wenn Ihr das Schreiben der deutschen Rentenversicherung haben wollt, zögert nicht. Ich helfe euch gerne!

Bleibt Gesund!

Euer Didi