Didis Finanzblog - Heute: Die Wut über andere Vermittler

Heute erfährst Du anhand von realen Fällen, warum die Branche (zum Teil) so in Verruf geraten ist und warum es besser ist, genau zu schauen, wen man sich als Berater aussucht!

Alle Verbraucher haben einen Konflikt wenn es darum geht, den richtigen Berater zu finden.

Wenn sich Verbraucher in Sachen Versicherungen informieren und beraten lassen wollen, bewegen sie oft folgende Fragen:

- Wem kann ich vertrauen?

- Wer beantwortet kompetent meine Fragen?

- Woher soll ich wissen, welche Information stimmt?

- Wer zieht mich nicht über den Tisch?

- Wo werde ich auch nach einem Abschluss weiterhin gut betreut?

Leider erlebe ich es doch immer wieder, dass gerade der vorletzte Punkt dieser Fragestellung von einigen "Beratern" allzu sehr beherzigt wird. Da wird gelogen und betrogen das die Balken biegen. Hierzu einige Beispiele, die ich in den letzten !! 3 !! Wochen gesammelt habe:

Fall 1: Wechsel der Basisrente um weitere Abschlussprovision zu verdienen:

Eine gute Kundin von mir meldete sich letzte Woche mit der Bitte, dass ich doch mal über eine Whatsapp-Nachricht Ihres Beraters drüber schauen soll, da sie ein komisches Bauchgefühl bei der Sache hat. Die Kundin hat vor ca. 1/2-2 Jahren eine Basis-Rente bei diesem Berater abgeschlossen. Nun hat er ihr geschrieben, dass er jetzt was viel Besseres hat, was viel mehr Sicherheit und Renditen verspricht als der alte Vertrag. Für den alten Vertrag hatte er auch schon eine Lösung: Einfach Beitragsfrei stellen, die eingezahlten Beiträge sind ja eh garantiert und sie macht dadurch keinen Verlust. --- HALLO??? WIE BITTE??? Das die Kundin bereits 1/2-2 Jahre Abschlusskosten gezahlt hat und nun wieder damit von vorne anfangen soll, ist kein Verlust? Der Berater soll mir mal erzählen, wie er die weiteren Abschlusskosten durch Zinsen in kürzester Zeit wieder rein holen will? Dazu ein Beispiel: Die Abschlusskosten für solch einen Vertrag werden in den ersten fünf Jahren fällig und berechnen sich nach der kumulierten Beitragssumme, d.h. bei einem Vertrag, der über 30 Jahre mit 100,- Euro monatlich bespart wird, fallen insgesamt bei einem Faktor von 3,5% (Branchenüblich) Abschlusskosten in Höhe von 1260,- Euro an. Diese werden - wie gesagt - auf fünf Jahre verteilt. Also zahlt die Kundin pro Jahr 252,- Euro Abschlusskosten. Dazu müssen Verwaltungskosten und Managementkosten (bei fondsbasierten Produkten) addiert werden (Diese Kosten liegen auch noch mal über den Daumen bei 0,9% - 2%/ wobei diese über den gesamten Zeitraum berechnet werden). Also liegen wir insgesamt bei round about 280,- Euro - 300,- Euro Kosten. Dies mit 1 1/2 - 2 Jahren multipliziert ergibt um die 450,- Euro - 600,- Euro. Diese Kosten würden in einem Neuvertrag wieder auf die Kundin zukommen. Unter dem Strich - egal ob "bessere" Anlageform oder nicht - ein lohnendes Geschäft: Zumindest für den Vermittler.

Fazit: Da die Anlagesysteme der beiden, von dem "Berater" angebotenen Produkte, ähnlich waren, habe ich der Kundin von einem Wechsel abgeraten. Wenn euch auch so ein "Angebot" über den Weg läuft, prüft dieses vorher gewissenhaft gegen, ob sich das auch WIRKLICH lohnt! In den meisten Fällen lohnt sich so etwas nicht. Schon garnicht, wenn der Vertrag bereits 5 Jahre läuft.

 

Fall 2: Riester ist das beste Produkt am Markt:

Noch so ein Fall von geistiger Umnachtung eines "Beraters" mit Wochendausbildung. Einem Kunden von mir wurde damals die Riesterrente wahnsinnig Schmackhaft gemacht. Der Vermittler kam aus dem Hause der tecis. Eine genauere Recherche ergab, dass dieser "Berater" nicht einmal die geforderte Mindestausbildung - Versicherungsfachmann (IHK) - absolviert hatte. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Ausbildung. Das man sich in der Ausbildung befindet ist ja nicht weiter schlimm, aber dann sollte man zu seinen Terminen einen Fachmann/frau dabei haben. Aber das bringt dem Unternehmen ja leider nicht so schnell Geld, wie das Unternehmen es gerne hätte. Also reicht ein Wochenendseminar um die Versicherungsvampire auf die Kunden los zu lassen. Aber ich schweife ab.

Riester ist nun ein Produkt, was mit recht hohen Kosten verbunden ist. Neben dem Abschluss schlagen hier nun auch kräftige Verwaltungskosten zu buche. Klar, denn durch die Zulagen usw. muss das Versicherungsunternehmen den Vertrag öfter "anfassen" als z.B. eine Risikolebensversicherung, die i.d.R. nur noch mal beim Versicherungsfall (Tot der versicherten Person) aufgerufen wird. Riester lohnt sich für bestimmte Personengruppen, nicht aber für diese Person. Alleinstehend und keine Möglichkeit die geforderten 4% in den Vertrag einzuzahlen. Darüber hinaus wurde der Kunde dann auch nicht darüber aufgeklärt, dass er einen Zulagenantrag stellen muss und am besten auch eine Steuererklärung, damit im Rahmen der Einkommenssteuer ein Teil der Beiträge wieder zurück in seinen Säckel fließen. Auch kam mir die garantierte Rente dermaßen niedrig vor (bei 50,- Euro Beitrag über 39 Jahre gerade einmal 83,37 Euro Garantierente), dass ich dem Kunden geraten habe, die Anlageform noch mal zu überdenken. 

Fazit: Ich finde die Ausbildung zum Versicherungsfachmann (IHK) schon zu wenig. Diese dauert i.d.R. 12 Monate und dann soll das Mädel/der Bengel in der Lage sein, jemanden über den gesamten Versicherungs- und Anlagemarkt zu beraten. Tolle Wurst! Achtet also bei der Suche nach einem geeigneten Berater IMMER auf Zusatzqualifikationen etc. wie z.B. Fachwirt für Versicherungen und Finanzen, Versicherungsbetriebswirt, Fachberater für Finanzen usw. Fragt den Berater auch nach den Inhalten seiner Fortbildung, damit ihr euch ein Bild machen könnt, ob dieser Berater für euch und eure Anforderungen passt.

 

Fall 3: Billig, Billig, Billig ... Will ich!

Diese Fälle spielen sich leider zu tausenden täglich ab. Ein Kunde sitzt mit einem Banker oder Versicherungsvertreter zusammen und der "Berater" hat eine wahnsinnige Preisangst. Was macht er also? Er bietet dem Kunden von vorneherein den günstigen Vertrag an, der meist auch einen geringeren Versicherungsumfang hat. Ein Beispiel aus der Haftpflichtversicherung. Kunde A sitzt bei Berater B und schließt eine Haftpflicht, für sehr wenig Geld, ab! Kunde A freut sich, da für dieses wenige Geld ja alles abgesichert sein soll. Berater B hatte Angst, den teureren Tarif anzubieten und ist glücklich, dass er zumindest ein wenig Provision aus der günstigen Haftpflicht bekommt. Nun kommt es wie es kommen muss: Kunde A hat einen Schadenfall. Er hat einem Freund beim Umzug geholfen. Dieser hat einen mordsmäßig teuren, neuen Fernseher gekauft. So ein riesen Teil mit UHD 4K, Curve, Ambilight und was weiß ich noch. Kunde A hatte die Aufgabe den Fernseher herunter zu tragen aus dem 3. Stock und in den LKW zu verladen. Auf Höhe des 1. Stocks rutschte ihm der Fernseher aus der Hand und stürzte auf den Fliesenboden. Dabei ist die Umrandung gebrochen und der Bildschirm komplett gesplittert. Kurz: Totalschaden. 3499,- Euro liegen nun kaputt auf dem kalten Fliesenboden. Nachdem der erste Schock verflogen war, sagte sich Kunde A: "Ich bin doch versichert! Ich rufe Berater B gleich mal an". Gesagt. Getan. Berater B geht ran und muss nun Kunde A die fröhliche Botschaft mitteilen, dass dies kein versicherter Fall ist, da es sich um eine Gefälligkeitshandlung handelt. Für ca. 2,- Euro mehr im Monat, wäre das mitversichert gewesen. Ihr könnt euch vorstellen, dass weder Kunde A, noch Berater B und am wenigsten der Geschädigte glücklich mit dieser Aussage waren.

Fazit: Ein guter Berater zeigt euch IMMER und GENAU auf, wo die Unterschiede der Tarife liegen und empfiehlt euch zu allererst den TOP-Tarif. Auch wenn dieser weit teurer ist. Streichen, wenn Ihr Dinge für unwichtig erachtet, könnt Ihr immer noch. Von einem Berater - ob nun Banker, Versicherungsvertreter oder Makler - der euch immer das günstigste anbietet, solltet ihr die Finger lassen.

Vielen Dank für´s Lesen! Ich wünsche euch nur gute Erfahrungen zum Thema Versicherungen und Finanzen und hoffe, dass wir uns bald wieder sehen auf diesem Blog.

Euer Didi